Alzheimer Gesellschaft Aschaffenburg e.V.

Selbsthilfe Demenz

Häufige Fragen und Antworten:


• Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Demenz und Alzheimer?

• Wie äußert sich die Krankheit?

• Wie häufig ist die Krankheit?

• Welche Demenzformen gibt es?

• Wie wird die Diagnose einer Demenz gestellt?

• Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

• Was ist im Umgang mit Demenzkranken zu beachten?

• Welche Betreuungsmöglichkeiten gibt es?

 

Was ist der Unterschied zwischen "Demenz" und "Alzheimer"?

Diese häufig an uns gestellte Frage war uns Anlass dazu, im Folgenden näher auf das Krankheitsbild einzugehen.

Nur kurz vorweg: "Demenz" ist der Überbegriff für verschiedene Krankheitsbilder. Die Alzheimersche Erkrankung ist eine bestimmte Form der Demenz.

Wie äußert sich die Krankheit?

Die Krankheit beginnt meist unmerklich für die Außenstehenden. Ein an einer Demenz Erkrankter kann auf den ersten Blick unauffällig wirken. Bittet man ihn aber, etwas Bestimmtes zu erledigen oder auf gezielte Fragen eine Antwort zu geben, weicht er aus oder er kann feindselig und "aggressiv" werden.

Viele Erkrankte stellen selbst als erste fest, dass mit ihnen etwas nicht in Ordnung ist. Sie bemerken eine zunehmende Vergesslichkeit und eine Minderung der Fähigkeit, Neues zu lernen. Die alltäglichen Routineaufgaben stellen für sie ein Problem dar; oft können sie gar nicht mehr erledigt werden. Die Fähigkeit, Gedankenketten zu bilden, nimmt ab.

Häufig fragen die Kranken viel, weil sie immer unsicherer werden. Sie bringen Zeit und Ort durcheinander, sie verlieren zunehmend die Orientierung über ihr Zuhause, über Tageszeiten und über die Jahreszeit. Die Inhalte von Gelesenem oder von Fernsehsendungen werden nicht mehr verstanden, die ehemaligen Interessen verengen sich, das soziale Leben wird mehr und mehr eingeschränkt.

Es treten Sprachstörungen auf. Der Kranke findet im Gespräch keine passenden Wörter mehr, und er verwendet falsche Bezeichnungen für vertraute Gegenstände.

Im späten Stadium der Krankheit produziert der Patient fast ausschließlich sinnlose Äußerungen oder Silbenketten. Einige Menschen verstummen ganz. Auch der körperliche Zustand verschlechtert sich im Laufe der Erkrankung.

So sind schließlich die Betroffenen vollständig auf fremde Hilfe angewiesen. Die genannten psychischen und körperlichen Veränderungen der Erkrankten stellen eine hohe Belastung für die Angehörigen dar.

Wie häufig ist die Krankheit?

In Deutschland sind rund 1,2 Millionen Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen. Die Häufigkeit dieser Erkrankung nimmt mit dem Lebensalter zu.

In der Altersgruppe der 70 bis 74-jährigen sind noch unter 3% betroffen. Bei den 80 bis 84-jährigen bereits 13% und bei den über 90-jährigen mit 34% rund ein Drittel.

In Einzelfällen können allerdings auch unter 65-jährige betroffen sein.

Da die Anzahl der alten Menschen in den kommenden Jahren weiter wachsen wird, ist davon auszugehen, dass die Zahl der Demenzkranken bis zum Jahr 2050 auf über 2,6 Millionen steigen wird, sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt.

Welche Demenzformen gibt es?

Demenz bei Alzheimer-Krankheit:
Diese ist eine das Gehirn betreffende, fortschreitende Erkrankung, deren Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind. Sie tritt meist im höheren Lebensalter auf und ist durch Gedächtnisstörungen als Hauptmerkmal gekennzeichnet.

Vaskuläre Demenz:
Hiermit ist eine mit den Blutgefäßen zusammenhängende Form der Demenz gemeint. Sie tritt meist im höheren Lebensalter auf, und es kommt auch hier zu Gedächtnisstörungen. Weitere typische Merkmale sind eine reduzierte Orientierung, verminderte Aufmerksamkeit und eine Störung im Gebrauch der Sprache. Anders als bei den anderen Demenzformen kann es bei der vaskulären Demenz zu Phasen leichter Besserung und zu längeren Phasen ohne ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung kommen.

Gemischte Demenz:
Mit diesem Begriff ist die Kombination aus Alzheimer-Krankheit und weiterer pathologischer Veränderungen gemeint, die gemeinsam das demenzielle Bild ergeben. Meist bezieht sich der Begriff auf das gleichzeitige Vorhandensein einer Alzheimer-Krankheit und einer vaskulären Demenz. Es ist davon auszugehen, dass die Mehrheit der älteren Demenzkranken von dieser Form betroffen ist.

Frontotemporale Demenz:
Diese tritt meist im mittleren Lebensalter auf und ist durch eine frühe, langsam fortschreitende Persönlichkeitsveränderung und dem Verlust sozialer Fähigkeiten charakterisiert. Es treten Beeinträchtigungen von Intellekt, Gedächtnis und Sprachfunktionen auf.

Demenz bei Morbus Parkinson:
Sie entwickelt sich im Verlauf einer Parkinson-Erkrankung. Neuen Erkenntnissen zufolge zeigen Betroffene klinische Merkmale wie Aufmerksamkeitsstörungen, beeinträchtigte intellektuelle Fähigkeiten, eingeschränkte visuell-räumliche Funktionen sowie Beeinträchtigung der Sprache und des Gedächtnisses. Verhaltensmerkmale wie Apathie, Persönlichkeits- und Stimmungsveränderungen inklusive depressiver Symptome und Angst sind möglich. Halluzinationen, Wahn und verstärkte Tagesmüdigkeit können ebenfalls auftreten.

Lewy-Körperchen-Demenz:
Diese macht sich meist über Funktionseinschränkungen im Alltag bemerkbar, wobei die Gedächtnisfunktion - anders als bei vielen anderen Demenzen - relativ gut erhalten bleibt. Kernmerkmale der Lewy-Körperchen-Demenz sind Schwankungen von Wachheit und Aufmerksamkeit, visuelle Halluzinationen sowie Parkinson-Symptome.

Wie wird die Diagnose einer Demenz gestellt?

Die Diagnose stellen erfahrene Ärzte bzw. Fachärzte für Psychiatrie und Neurologie.

Gedächtnisambulanzen sind hier besonders spezialisierte Einrichtungen zur Diagnostik und Therapie.

Eine sorgfältige Diagnose umfasst die gründliche Untersuchung sowohl des körperlichen als auch des geistigen Zustandes. Psychologische Tests werden eingesetzt, um Gedächtnis, Denkvermögen, Sprache und Wahrnehmungsfähigkeit zu prüfen.

Dem Ausschluss anderer Erkrankungen dienen neben körperlichen Untersuchungen auch Laborbestimmungen und bildgebende Verfahren, wie CT (Computertomographie) oder MRT (Magnetresonanztomographie).

Wichtig ist die Anamneseerhebung. Deshalb führt der Arzt mit dem Betroffenen und seinen Angehörigen ein ausführliches Gespräch.

Eine frühe Diagnosestellung der Krankheit ist anzustreben, weil hierdurch die Pflegebedürftigkeit deutlich hinausgezögert werden kann. 

Therapie

Die Therapie setzt sich zusammen aus einer medikamentösen Behandlung und psychosozialen Interventionen, die individuell auf den Erkrankten angepasst sind.

Die pharmakologische Therapie ist ärztliche Aufgabe.

Durch sie können Verhaltensstörungen, Depressionen und Wahnvorstellungen gebessert werden.

Nichtmedikamentöse Ansätze wie Ergotherapie, Musik- und Kunsttherapie sind hilfreich, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Menschliche Zuwendung, Aktivierung und Beschäftigung, ein angemessener Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten sowie eine demenzgerechte Gestaltung der Umwelt sind darüber hinaus für die Erkrankten von besonderer Bedeutung.

Wichtig ist es ferner, für einen geregelten Tag-Nacht-Rhythmus zu sorgen.

Umgang mit Demenzkranken

Demenzerkrankungen verlaufen unterschiedlich und ebenso unterschiedlich sind die Bedürfnisse und die Verhaltensweisen der Betroffenen.

Einige der Erkrankten sind freundlich, andere ungehalten ("aggressiv"), einige sind körperlich noch mobil, andere wiederum sind bettlägerig.

Das Krankheitsbild verändert sich nicht nur im Verlauf der Erkrankung, sondern ist häufig auch von der "Tagesform" abhängig.

Die pflegenden Angehörigen befinden sich in unterschiedlichen Lebenssituationen und können nicht immer uneingeschränkt für ihren Erkrankten da sein. So versuchen oft die betagten Ehepartner die Betreuung zu übernehmen, können aber irgendwann den immer größer werdenden Anforderungen alleine nicht mehr gerecht werden. Auch wenn die Kinder die Pflege übernehmen wollen, stoßen sie rasch an Grenzen, da sie oft selbst eine eigene Familie zu betreuen haben und zudem berufstätig sind.

Wichtig:

Es gibt keine allgemeingültigen Rezepte im Umgang mit Demenzkranken, sondern es gilt auszuprobieren, was im Einzelfall hilft.

  • Die Krankheit annehmen, anstatt sie zu verleugnen
  • Wissen über die Krankheit erwerben
  • Das Verhalten und die Äußerungen des Erkrankten beobachten und versuchen ihn zu verstehen
  • Das eigene Verhalten auf den Erkrankten einstellen
  • Langsam und deutlich sprechen sowie Zuwendung zeigen
  • Für einen geregelten Tagesablauf sorgen
  • Sicherheit und Geborgenheit schaffen
  • Den Erkrankten nicht auf seine "Fehler" hinweisen oder ihn korrigieren wollen - ihn nicht überfordern
  • Vorhandene Fähigkeiten erhalten und den Erkrankten in Alltagstätigkeiten einbeziehen
  • Die äußeren Lebensbedingungen und den Wohnraum anpassen. (Sicherung von Elektro- und  Gasgeräten. Nachtbeleuchtung anpassen. Zweckmäßige Kleidung wählen und anderes mehr.)

Die Angehörigen selbst sollten Kontakt zu einer regionalen Selbsthilfegruppe aufnehmen.

Das Ziel von Selbsthilfegruppen ist der regelmäßige Austausch von persönlichen Erfahrungen im Kreis von Menschen mit ähnlich Erlebtem. Dies empfinden viele Angehörige als entlastend.

Das gemeinsame Gespräch sowie der Austausch von praktischen Tipps, Anregungen und Erfahrungen können den alltäglichen Umgang mit dem Erkrankten erleichtern.

Welche Betreuungsmöglichkeiten gibt es?

Etwa zwei Drittel der Erkrankten werden in den Familien versorgt und gepflegt. Zum Teil werden die betreuenden Angehörigen von ambulanten Pflegediensten unterstützt.

Einige Erkrankte besuchen Tagespflegeeinrichtungen, in denen sie tagsüber betreut werden.

Zunehmend werden auch Betreuungsgruppen angeboten, in denen die Erkrankten ein- bis zweimal wöchentlich für einige Stunden gemeinsam Beschäftigung finden.

Außerdem gibt es ehrenamtliche HelferInnen (Vermittlung u. a. durch Sozialstationen), die stundenweise die Betreuung zu Hause unterstützen.

Wenn die Angehörigen die Pflege vorübergehend nicht übernehmen können, z. B. wegen Krankheit oder Urlaub, ist die befristete Versorgung in einer Einrichtung für Kurzzeitpflege möglich.

Sollte die häusliche Betreuung nicht mehr möglich sein, können die Betroffenen in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft für Demenzkranke einziehen und leben.

Ferner kann auch ein Umzug zur Betreuung und Pflege in eine stationäre Einrichtung (Seniorenheim) in Frage kommen.

Mein Weg

Ich will wachen, wenn Du müde bist.

Ich will erinnern, wenn Du vergisst.

Ich will schweigen, wenn Du Recht hast.

Ich will sprechen, wenn Du nicht kannst.

Ich will vorangehen, wenn Du Angst hast.

Ich will stark sein, wenn Du verzagst.

Ich will gehen, wenn Du Ruhe suchst.

Ich werde aber immer da sein, wenn Du mich brauchst.